EINLEITUNG

“Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken“, sagte Johann Wolfgang von Goethe.
Vielleicht wurde dieser Satz in Verona oder am Gardasee während seiner berühmten Reise nach Italien ausgesprochen.
Ganz sicher könnte es der Slogan von VERONA WINE TOP sein, ein Projekt, das die Handelskammer Verona schon seit neun Jahren organisiert, indem es die besten Weine der Gegend auswählt, auch die der kleinen und der noch unbekannten Weinkellereien, um sie ins internationale Rampenlicht zu rücken.
Die Leidenschaft, die uns antreibt, ist die gleiche Leidenschaft, welche die arbeitsamen Menschen von Verona beseelt, einer Provinz, die ihre Wurzeln und ihre jüngsten wirtschaftlichen Erfolge in der Bodenbearbeitung findet, das heißt in der Mühe, dem Schweiß und der unbezahlbaren Genugtuung Blumen sprießen und Früchte wachsen zu sehen.
Wenn Sie Verona noch nicht besucht haben, jedoch eine Reise in unsere Provinz unternehmen möchten, dann werden Sie sofort bemerken, welche Bedeutung die Reben und der Wein für unser Gebiet haben: von den atemberaubenden Landschaften, die Sie von Osten bis Westen bewundern können, bis zu den überall verstreuten Weinkellereien und den gastfreundlichen Osterien, wo sich unsere Weine mit den lokalen kulinarischen Köstlichkeiten vereinen. Dabei lassen wir die Bindungen zur Tradition, zur Kultur und zur Geschichte natürlich nicht unvergessen und haben uns daher in diesem Jahr erlaubt auf dem Deckel dieses Führers Cangrande della Scala, im 14. Jahrhundert Stadtherr von Verona, mit einem Glas guten Weins anstoßen zu lassen.
Machen wir also eine Pause und erinnern wir uns an Goethe: Lassen wir die schlechten Weine beiseite und öffnen wir eine der 109 Verona Wine Top 2012 preisgekrönten Flaschen und teilen wir einen einzigartigen und unwiederholbaren Augenblick mit einem lieben Menschen; das Leben wird einen ganz anderen Geschmack haben.


Der Präsident
Handelskammer von Verona
Alessandro Bianchi

 

PRÄSENTATION

Die Provinz Verona ist nicht nur ein Hort großer Kultur und Geschichte und die Heimat von gastronomischen Köstlichkeiten. Sie ist auch die Heimat großer Weine, die zum besten gehören, was Italien zu bieten hat. Amarone, Bardolino oder Soave kennt wohl jeder. Daneben findet man aber auch noch eine Reihe von weniger bekannten Rebjuwelen, die es zu entdecken lohnt. Rebberge findet man nämlich überall zwischen den Ufern des Gardasees und den Monti Lessini, zwischen der Po-Ebene und den steilen Hängen des Etschtals. Ob ein charmanter Lessini-Durello oder ein Custoza Spumante zum Aperitif, ein blumiger Soave zur pasta, fruchtiger Valpolicella zum Gegrillten, oder ein süßer Recioto zum Dessert: alle diese Weine kommen aus dieser einzigartigen Landschaft Italiens. Die Vielfalt der kultivierten Trauben ist gross: sie reicht von eigenständigen weißen Reben wie der Turbiana- oder der Garganega-Traube über Chardonnay und Pinot Grigio bis zu den autochthonen roten Varietäten Corvina, Rondinella und Molinara. Nicht zu vergessen, Cabernet und Merlot. Der Weinbau im Gebiet hat eine Jahrtausende alte Geschichte: schon die Römer haben die Weine aus dem Raeticum getrunken, die süß vergoren und daher transport- und lagerfähig waren. Im 4. Jahrhundert beschreibt Cassiodorus, ein Minister des Gotenkönigs Theoderich, einen durch Austrockung der Trauben gewonnenen Wein aus Valpolicella (übersetzt: das Tal der vielzähligen Keller) als Acinaico. Seit damals hat dieser Wein, der Recioto, einen legendären Ruf, er galt lange als Inbegriff der hohen Kunst des Kelterns. Den Recioto gibt es heute noch: er wird im Valpolicella-Gebiet im Norden von Verona in einer roten Version gekeltert und etwas weiter östlich, rund um die Städte Soave und Gambellara in einer weißen Variante. Der Recioto zählt zur Familie der Passiti, der Weine aus angetrockneten Trauben und im Spätherbst sind die frutaii – die Fruchtlager - der Täler rund um Verona vollgefüllt mit Kisten voller antrocknender Trauben. Heute dienen aber viele davon nicht mehr der Produktion eines Recioto, sondern der des Amarone: der Amarone wird aus denselben Trauben wie der Recioto gewonnen, aber zu Ende vergoren und deshalb trocken und amaro, bitter. Lange Jahre stand er im Schatten seines süßen Verwandten, bis vor wenigen Jahrzehnten sein Siegeszug begann. Heute ist er unumschränkter Herrscher im Valpolicella: 12 Millionen Flaschen Amarone werden inzwischen produziert, nur mehr ein Bruchteil davon an Recioto di Valpolicella. Und auch der Ripasso, bei dem der junge Valpolicella noch einmal mit den Pressrückständen der Amarone-Produktion aufgepeppt wird, hat einen Siegeszug angetreten. Einfache, klare und fruchtige Rotweine aus Corvina, Rondinella und Molinara findet man dafür im nahen Bardolino am Gardasee. Hier ist auch die Heimat des Bardolino Chiaretto, eines Rosé-Weins, der hervorragend zur Fischküche des Gardasees passt. Und zeigt, wie wandlungsfähig die wohl wichtigste Traubencuvée Italiens ist. Dieselben Traubensorten wie in Bardolino harmonieren im Valpolicella-Gebiet perfekt mit der dortigen Küche, mit gekochtem Rindfleisch, Pilzen und Trüffeln. Apropos Recioto: auch die Recioto-Versionen von Soave – aus angetrockneten Garganega-Trauben gekeltert – sind heute ein Nischenprodukt, das es ebenfalls zu entdecken lohnt: es sind feine, süße und langlebige Kreszenzen, die nach Honig und exotischen Früchten duften. Nicht zu vergessen die Weißweine: das beginnt beim mineralischen Lugana oder der fruchtig-frischen Traubencuvée des Custoza im Süden des Gardasees und führt über die vor allem aus Garganega gekelterten Weine des Soave-Gebietes bis zu den Schaumwein-Perlen von Lessini-Durello. Die Provinz Verona ist natürlich nicht nur die Heimat autochthoner Reben: zum Beispiel der Pinot Grigio, der vor allem in den USA und in Großbritannien große Erfolge feiert. Große Tradition haben neben den autochthonen roten Rebsorten auch die roten Bordelaiser Merlot und Cabernet, die zum Teil schon seit mehr als 100 Jahren im Veneto heimisch sind (manche meinen, nach dieser langen Zeit seien sie deshalb auch schon autochthon). Eine völlig autochthone Rebsorte habe ich übrigens erst während dieser Verkostung entdeckt: Enantio, eine fruchtige Varietät, die seit alten Zeiten im Etschtal heimisch ist. Unbedingt probieren! Ich hatte das Vergnügen, mehr als 100 Weine aus der Provinz Verona zu degustieren: von den Schaumweinen aus den Monti Lessini über die Weine des Gardasees bis zum Recioto aus dem Valpolicella und dem Soave. Es war nicht nur eine Degustation, sondern insgesamt eine Reise durch eine der schönsten und vielfältigsten Landschaften Italiens, für die ich nicht einmal den Tisch verlassen musste: die Aromen und Düfte der Hügel um Verona finden sich in manchen Weinen ebenso wie die Leichtigkeit von den Ufern des Gardasees und viel Sinn für die Pflege einer Jahrtausende alten Weinbautradition. Ein Kompliment den Winzern, die diese Weine gemacht haben!


Christian Eder

Christian Eder (Jahrgang 1964) lebt in Österreich, nahe Salzburg. Nach dem Studium an der Universität Salzburg (Romanistik und Kommunikationswissenschaften) gründete er mit einigen Freunden eine Wochenzeitung (1989 – 1996) und war Chefredakteur zweier Zeitschriften für Tirol und Salzburg (1994 – 2002). Seit 1999 ist er Italien-Redakteur von VINUM, schreibt aber auch immer noch über Sport-, Wirtschafts- und Reisethemen.

 

 

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